Strafaussetzung

Nach § 56 Abs. 1 – 3 StGB kann die Vollstreckung von Freiheitsstrafen (siehe Freiheitsstrafe), die 2 Jahre nicht übersteigen, zur Bewährung ausgesetzt werden. In diesem Fall wird die Freiheitsstrafe nicht vollstreckt, d.h. der Verurteilte muss in diesem Fall die Strafe nicht antreten und bleibt in Freiheit. Jedoch muss er während der Bewährungszeit zeigen, dass er keine weiteren Straftaten mehr begeht und die ihm auferlegten Auflagen und Weisungen erfüllen. Begeht der Verurteilte innerhalb der vom Gericht festgelegten Bewährungszeit keine weiteren Straftaten und kommt er seinen Verpflichtungen nach, wird ihm die Strafe nach Ablauf der Bewährungszeit erlassen. Wird der Verurteilte jedoch während dieses Zeitrahmens rückfällig oder verstößt er gegen Auflagen oder Weisungen, kann die Freiheitsstrafe vollstreckt werden.

Das Gesetz stellt an die Aussetzung unterschiedliche Anforderungen, abhängig davon ob sich die Freiheitsstrafe unterhalb von 6 Monaten, zwischen 6 Monaten und 1 Jahr oder zwischen mehr als 1 Jahr bis zu 2 Jahren bewegt. Eine Freiheitsstrafe, die die in § 56 StGB festgelegten Grenzen überschreitet, d.h. mehr als 2 Jahre Freiheitsentzug vorsieht, kann nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

Ist die Freiheitsstrafe unter 6 Monaten und ist zu erwarten, dass sich der Täter schon die Verurteilung zur Warnung dienen lässt und künftig auch ohne die Einwirkungen des Strafvollzugs keine Straftaten mehr begehen wird (§ 56 Abs. 1 iVm Abs. 3 StGB), ist die Freiheitsstrafe zwingend zur Bewährung auszusetzen.

Bei Freiheitsstrafen zwischen 6 Monaten und 1 Jahr ist die Strafe zur Bewährung auszusetzen, sofern nicht die Verteidigung der Rechtsordnung eine Vollstreckung gebietet (§ 56 Abs. 3 StGB). Freiheitsstrafen von mehr als 1 Jahr bis zu 2 Jahren können hingegen nur dann ausgesetzt werden, wenn eine günstige Prognose und zudem besondere Umstände vorliegen, die die Aussetzung der Strafe rechtfertigen.

Die Strafaussetzung zur Bewährung ist zu unterscheiden von der Aussetzung des Strafrestes zur Bewährung (siehe Strafrestaussetzung) nach § 57 ff StGB.

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