Menschenraub

§ 234 StGB stellt den Menschenraub unter Strafe. Wer sich einer anderen Person mit Gewalt, durch Drohung mit einem empfindlichen Übel oder durch List bemächtigt, um sie in hilfloser Lage auszusetzen oder dem Dienst in einer militärischen oder militärähnlichen Einrichtung im Ausland zuzuführen, wird mit Freiheitsstrafe (siehe Freiheitsstrafe) von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft. Bei der Tat handelt es sich damit um ein Verbrechen (siehe Verbrechen).

Gewalt ist jede körperliche Tätigkeit, durch die körperlich wirkender Zwang ausgeübt wird, um geleisteten oder erwarteten Widerstand zu überwinden. Eine Drohung ist das Inaussichtstellen eines Übels, auf das der Drohende Einfluss hat oder zu haben vorgibt. Mit List ist ein Verhalten gemeint, das darauf abzielt, unter Verbergen der wahren Zwecke und Mittel die Ziele des Täters durchzusetzen. Sich bemächtigen bedeutet, dass der Täter die physische Gewalt über das Tatopfer gegen dessen Willen erlangt. Eine Ortsveränderung wird dabei nicht vorausgesetzt. Eine hilflose Lage ist eine Situation, in der das Opfer außerstande ist, sich aus eigener Kraft oder mit Hilfe schutzbereiter Dritter vor drohenden abstrakten Lebens- oder schweren Gesundheitsgefahren zu schützen.

§ 239a StGB regelt die Strafbarkeit des erpresserischen Menschenraubs. Nach dieser Vorschrift wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft, wer einen Menschen entführt oder sich eines Menschen bemächtigt, um die Sorge des Opfers um sein Wohl oder die Sorge eines Dritten um das Wohl des Opfers zu einer Erpressung auszunutzen oder wer die von ihm durch eine solche Handlung geschaffene Lage zu einer Erpressung ausnutzt. Somit wird das Entführen oder das Sichbemächtigen vorausgesetzt. Entführen setzt eine Ortsveränderung gegen den Willen des Opfers voraus. Zudem muss der Täter die Absicht haben, die Sorge des Opfers zu einer Erpressung auszunutzen. Damit nicht ein Großteil klassischer Erpressungen unter den Tatbestand des erpresserischen Menschenraubs – und damit unter deren hohen Strafrahmen – fällt, ist für § 239a StGB erforderlich, dass die durch den ersten Entführungs- oder Bemächtigungsakt geschaffene Zwangslage für einen weiteren Nötigungsakt ausgenutzt werden soll. Bei einer Entführung ist dies regelmäßig der Fall. Fallen das Sichbemächtigen und die Erpressungshandlung zeitlich zusammen, kann § 239a StGB nur Anwendung finden, wenn der Bemächtigungssituation eine selbstständige Bedeutung zukommt.

§ 239a Abs. 2 StGB sieht eine Strafmilderung (siehe Strafmilderung) für minderschwere Fälle vor. Verursacht der Täter durch den erpresserischen Menschenraub wenigstens leichtfertig den Tod des Opfers, kommt es hingegen zu einer Strafschärfung. Übt der Täter nach Vollendung des erpresserischen Menschenraubs tätige Reue (siehe Reue), kann das Gericht gemäß § 239a Abs. 4 StGB nach § 49 Abs. 1 StGB die Strafe mildern.

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