Vorsicht, Langfinger – Experten warnen vor beträchtlicher Mitarbeiterkriminalität

Die Bedrohung deutscher Unternehmen durch Wirtschaftskriminalität wächst. Darauf weist die Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, Hamburg, hin. Euler Hermes zufolge dürfte die Zahl der Fälle von Betrug, Untreue und Unterschlagung in diesem Jahr auf 1,15 Mio. steigen. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Zunahme um fünf Prozent. Dabei erhöhte sich die Schadenssumme gegenüber 2004 um drei Prozent auf rund sechs Mrd. Euro. Besonders beunruhigend dabei ist die Tatsache, dass ungefähr 40 Prozent der Schadenssumme auf das Konto von Mitarbeitern gehen. Zu diesem Ergebnis kommt die Euler- Hermes- Schätzung auf der Basis der polizeilichen Kriminalstatistik. In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Zahl der Kriminalitätsfälle stetig. Seit der Jahrtausendwende sogar um mehr als 28 Prozent. Dabei bleiben die Schäden als solche mit durchschnittlich fünf Mrd. Euro im Jahr konstant. Allerdings auf hohem Niveau. Schwankungen zwischen 4,5 und 6,6 Mrd. Euro seit 2000 lassen Euler- Hermes zufolge darauf schließen, dass gerade die Zahl verhältnismäßig kleiner Delikte in mittelständigen Unternehmen kontinuierlich steigt, während Großschäden in großen Unternehmen die jährlichen Schwankungen bestimmen.

Wesentlicher Faktor bei der Entwicklung der Wirtschaftskriminalität ist die Veruntreuung durch Mitarbeiter. Kriminelle Handlungen von Mitarbeitern gegenüber ihren Arbeitgerbern verursachten 2004 in Deutschland einen Schaden von 1,8 Mrd. Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie die Summe der Feuerschäden im industriellen Bereich, die erheblich stärker als Bedrohung in den Unternehmen wahrgenommen werden. „Anders als bei Großunternehmen wird gerade bei von mittelständigen Personengesellschaften das Risiko der Wirtschaftskriminalität gnadenlos unterschätzt“, sagt Hartmut Köhler, Leiter des Bereichs Vertrauensschadenversicherung bei Euler Hermes. Die aktuelle Entwicklung bestätigt die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage für alle Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Million Euro, die Euler Hermes 2003 in Auftrag gegeben hatte. Damals gaben rund 86 Prozent aller Befragten an, in der Wirtschaftskriminalität ein ernsthaftes Problem zu sehen. Aber nur ein Zehntel der Firmen glaubte, selbst einem erhöhten Risiko durch Fehlverhalten eigener Mitarbeiter ausgesetzt zu sein. Grundsätzlich wird die Gefahr von Unternehmen also durchaus erkannt. Das Problem ist nur: Das eigene Risiko wird deutlich unterschätzt. Nicht zuletzt das macht es kriminellen Mitarbeitern und anderen Wirtschaftskriminellen leicht, sich zu bedienen. Es gilt also, die Betriebe für die definitiv gegebene Bedrohung gerade auch durch Mitarbeiterkriminalität verstärkt zu sensibilisieren.

Autor: hv

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FAZ,
12.06.2006

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