Vorwurf der Untreue – Anklage gegen Ex-Olympus-Manager erhoben

Das japanische Unternehmen rutscht immer tiefer in den Sumpf: Vor zwei Wochen wurde plötzlich der Chef von Olympus gefeuert, nun erreicht der Skandal Europa: Topmanager sollen Zahlungen ohne Gegenleistung veranlasst haben.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen drei ehemalige Manager der Olympus Europa Holding mit Sitz in Hamburg erhoben. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" handelt es sich bei einem der drei Angeklagten um den langjährigen Europachef des Unternehmens, Werner Teuffel, sowie zwei weitere Topmanager. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, wird drei Managern Untreue zu Lasten von Olympus vorgeworfen. Sie sollen Zahlungen in Höhe von 640.000 Euro veranlasst haben, ohne dass es dafür Gegenleistungen gegeben habe. Bereits im März 2011 wurde Anklage erhoben. Ein Termin für den Prozessbeginn ist noch nicht bekannt. In dem Büro von Werner Teuffel war niemand zu erreichen.

Teuffel sowie die beiden anderen Manager haben das Unternehmen bereits vor mehreren Jahren verlassen. Die Trennung von den Mitarbeitern begründet Olympus mit einer "strategischen Neuausrichtung des Unternehmens".

Die Ermittlungen reihen sich ein in den Skandal um den geschassten Olympus-Chef Michael Woodford, der vor zwei Wochen überraschend gefeuert wurde. Woodford hatte den Aufsichtsrat aufgefordert, dubiose Geldströme zu erklären, die beim Kauf des britischen Medizintechnikherstellers Gyrus im Jahr 2008 geflossen waren. Dabei ging es um 687 Mio. Dollar an den Finanzberater Axam auf den Kaimaninseln.

Bereits am Freitag hatte die FTD aus einem anonymen Brandbrief aus dem Jahr 2009 an Michael Woodford zitiert, in dem deutsche Olympus-Mitarbeiter von "dubiosen Geschäftspraktiken" in der Europa-Holding sprechen, davon dass "jede Form der Korruption bei Auftragsvergaben hemmungslos praktiziert werde", von Verstößen gegen den "Code of Ethics" und von einer "tickenden Zeitbombe". Den Brief begründen die Autoren mit dem "Schaden an der Marke", der angerichtet werde und "uns alle betrifft".

Autor: Jens Brambusch

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Financial Times Deutschland,
31.10.2011

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